Meine Meinung

Im Neuland sind wir alle doof

 

Lange hat es gedauert, jetzt ist er endlich durch. Der Digitalpakt wird unsere Bildungslandschaft verändern – hoffentlich. Allerding wird Geld allein nichts richten.

Anja Karliczek sitzt schmunzeln in ihrem blauen Drehstuhl auf der Regierungsbank. Kopf nach links, Kopf nach rechts. Ein bisschen auf dem Regierungsstuhl herumdrehen. Eigentlich hatte die Ministerin für Bildung und Forschung nicht viel Grund zur Freude. Gerade hatte ich ihr in meiner Bundestagsrede zu dem von ihr vorgelegten Haushaltsplan gesagt, dass ihre Kritik an der Ehe für alle krude ist. Besonders ihre Argumente, beispielsweise dass gleichgeschlechtliche Ehepaare einem Kind nachhaltig schaden könnten, waren und sind unerträglich. Das war im November 2018.

Jene Ministerin eilte jetzt als erste vor die Kameras und feierte die Einigung zwischen Bund und Ländern auf einen Digitalpakt als große Leistung für unser Land. Das ist der Februar 2019. Damit hat sie ausnahmsweise mal Recht. Allerdings musste erst ein Vermittlungsausschuss bemüht werden, damit in Zukunft mehr Bildungskooperation möglich ist. Dabei haben die Länder einen guten Schnitt gemacht, weil der Bund ihnen abermals großzügig unter die Arme greifen wird, damit das doch noch was wird mit der Digitalisierung in unserem Land. Wie groß dieses Geschenk ist, zeigt sich sodann auch darin, dass der Bund zwar zahlt, aber kaum Gestaltungsspielraum hat. Das ist einer der bedauerlichen Aspekte am Digitalpakt. Um Vergleichbarkeit und innovative Ideen in gleichem Maße bundesweit ausrollen zu können, hätte ein größeres Mitspracherecht des Bundes mitunter für wichtige Impulse sorgen können. Diese Chancen wurde vertan.

Dass wir jetzt überhaupt erst einmal darauf geeinigt haben, dass wir den grundgesetzlichen Rahmen verändern müssen, um zukunftsfähig zu sein, ist ein tolles Signal – mehr allerdings ist somit noch nicht erreicht. Durch den Digitalpakt kann in Schulen künftig nicht nur Tablet, Whiteboard und Co., sondern beispielsweise auch in Köpfe und Know-how investiert werden.

Doch Geld und gute Absichten reichen bei Weitem nicht, um im Neuland zu Experten zu werden. Das beginnt damit, dass wir uns bewusst machen sollten, dass Digitalisierung gar kein Thema ist. Digitalisierung ist vor allem ein Sammelbegriff, unter den sich eine Vielzahl von Themen subsumieren.

Cyberattacken? Autonomes Fahren? Ein aufwendiges Makro in einer Excel-Tabelle? Coden? Das Ein- und Ausstellen des eigenen Smartphones? Das alles sind alles digitale Themen. Mitnichten sind einige von ihnen für viele von uns profan,  nicht der Rede wert. Was für den einen leicht von der Hand geht, ist für den anderen nur mit größter Anstrengung zu schaffen.

Im Neuland sind wir aber alle nicht so wissend, wie wir glauben zu sein. Wir verstehen immer noch nicht, wie das mit der Blockchain funktioniert und wie sie einen gesellschaftlichen Mehrwert schafft. Nämlich verhält es sich mit den Bitcoins. Wir handeln uns Trojaner ein, löschen aus Versehen Dokumente und vertaggen mitunter mal den falschen Ansprechpartner auf Twitter. Diese Fehlertoleranz sollten wir uns zugestehen.

Problematischer ist es allerdings, wie die Menschen Dinge sehen, die den Rahmen dafür setzen, dass die vielen digitalen Themen auch endlich angegangen werden. Es sind Menschen wie Bildungsministerin Karliczek, die über künftige Geschicke zu entscheiden haben. Dabei befassen sie sich allerdings größtenteils mit Themen von gestern. Nicht nur die Ehe für alle findet sie bekanntlich problematisch, sondern auch flächendeckend schnelles Internet im gesamten Bundesgebiet. Diese Geisteshaltung ist brandgefährlich für Deutschland.

Wo sind die Modelle, wo sind die klugen Ideen, mit denen wir heute das digitale Vermächtnis vorbereiten, das wir unseren Kindern hinterlassen.

Niemand wird in Berlin, Bayern oder Nordrhein-Westfalen die Lehrpläne umschreiben. Darum geht es im Kern auch gar nicht. Digitale Belange könnten so selbstverständlich in die Lehrpläne einsickern wie der Faust oder die Kurvendiskussionen. Denn nicht jeder Schulabgänger wird künftig im IT-Bereich arbeiten. Aber es wäre schon viel geholfen, wenn die ganze Debatte keine große Unbekannte für die Schulabgänger bliebe. Denn eine Annahme bleibt auch im digitalen Zeitalter falsch: Nichts wissen macht nichts.

Dieser Beitrag lief als Meinungsbeitrag auf t-online am 23. Februar 2019.

NEWSFEED

Jetzt ist die Zeit reif, die landesweite epidemische Notlage auf den Prüfstand zu stellen. 333 aktive Fälle in Berlin rechtfertigen keinen Lockdown wie in stark betroffenen Regionen in 🇩🇪. Wir brauchen ein neues Normal, um mit #Corona Leben zu lernen. TM

333 aktive Fälle – alle drei Corona-Ampeln stehen auf grün

Senat beschließt weitere Lockerungen – eine tritt schon am Samstag in Kraft + Polizei stellt sich auf viele Demos zu Pfingsten ein + Der Virus-Blog...

www.tagesspiegel.de

Wenn in #Berlin allein im Ring ein Stockwerk oben drauf gepackt werden würde, könnten 200.000 neue Wohnungen entstehen. Und es gibt noch zig weitere Optionen, die #R2G ziehen könnte. Wir haben den Anspruch, jedem das Wohnen in Berlin zu ermöglichen. TM

Load More...
Corona: Den Toten zweiter Klasse gibt es nicht
Corona: Den Toten zweiter Klasse gibt es nicht

Corona ist widerlich und heimtückisch. Doch jeden Tag sterben in Deutschland Menschen durch tragischste Ursachen und an bedauerlichen Orten. Die Corona-Maßnahmen haben den Tod in Klassen unterteilt.

Ohne Kitas führt kein Weg aus der Krise

Corona zwingt die Gesellschaft seit Wochen in die eigenen vier Wände. Die Diskussion über die stufenweise Rückkehr zur Normalität läuft. Doch ausgerechnet die Kitas sollen bis Sommer geschlossen bleiben. Das wird nicht funktionieren.

Corona als Gesellschaftsinfarkt?
Die Coronakrise darf nicht zu einem Gesellschaftsinfarkt führen

Die rasche Ausbreitung von Corona erinnert uns daran, wie vernetzt die Welt ist, aber auch wie unterschiedlich. Der Umgang mit dem Virus darf unsere Gesellschaft nicht zerstören. Dieser Stresstest läuft gerade.