Mein Berlin

Schon jetzt muss an einer Eingewöhnungsstrategie gearbeitet werden

Die Kitas in Berlin sind seit dem Herbst geschlossen. Irgendwann werden sie wieder auf machen, doch schon heute muss in der Senatsverwaltung an einem großen Eingewöhnungskonzept gearbeitet werden – für alle Altersstufen.

Kinderbetreuung und Homeoffice sind eigentlich zwei Begriffe, die sich ausschließen. Nicht, dass arbeitende Eltern ihre Kinder nicht ausreichend lieben und deshalb nur eine bestimmte Stundendosis am Tag ertrügen, das Problem ist ein anderes. Die Kita hat nicht nur einen wichtigen Bildungsauftrag, sondern ist immer auch Ort einer Ersatzleistung, derweil sich die Eltern in ihre Rolle als Arbeitnehmer, Unternehmer, Selbständige oder Freiberufler so auch als Steuerzahler schlüpfen.

Bereits zu Beginn der Pandemie hatte der Berliner Senat eine Bewertung vorgenommen und systemrelevante Berufe bestimmt. Die Senatsverwaltung hat die Bedeutung der Berufe in beiden Schließungen selbst definiert und fortwährend erweitert. Die Wichtigkeit legt der Senat an dieser Stelle fest, die Transparenz der Systemrelevanz fehlt.

Für Bürogänger stehen die Chancen eher schlecht, den erlösenden Status der Systemrelevanz zu erhalten, auch wenn das natürlich die Berufe sind, deren Gehälter im Sinne der Allgemeinheit mit hohen Abgaben durch den Nettofilter gepresst werden.

Viele von denjenigen, die ihre Kinder seit November nicht betreuen lassen dürfen, sehnen die Öffnungen regelrecht herbei. Seit Monaten wird von ihnen verlangt, dass sie so leistungsfähig wie bisher ihrer Profession nachkommen und auf der anderen Seite ihre Kinder betreuen. Die nächste Herausforderung wartet schon: Denn viele der Kinder, insbesondere die  Jüngsten, die dann wieder in die Einrichtungen drängen, müssen neu eingewöhnt werden.  Jeder, der sein Kind zum ersten Mal in die Kita bringt, kennt die Herausforderungen, die damit verbunden sein können.

Insgesamt zählt Berlin rund 190.000 Kita-Kinder, im Mittel befindet sich die Hälfte in der Notbetreuung. 95.000 Kinder waren also seit Oktober nicht mehr in der Kita, viele von ihnen seit März letzten Jahres nicht mehr.

Nach einem Jahr können sich selbst die vertrautesten Orte plötzlich wieder fremd anfühlen. Da braucht es pädagogisches Geschick, dies zu erkennen und entsprechend darauf zu reagieren.

Allerdings können selbst in großen Einrichtungen Eingewöhnungen nur in begrenztem Maße gleichzeitig stattfinden. Je weniger Kinder in den Einrichtungen, umso wahrscheinlicher ist in der Pandemie also eine Gesamtschließung der Einrichtung. Im Umkehrschluss hieße das: Potentiell mehr Kinder auf einmal, die nach langer Zeit wieder in die Kita gingen und entsprechend aufgefangen werden müssten.

Deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, über eine Rückkehr zum Normalbetrieb zu befinden und eine passgenaue Strategie auszuarbeiten. Im Kanzleramt werden die Erwartungen bereits gedrosselt, immer öfter heißt die Perspektive Ostern. Dabei müssten realistische Öffnungsszenarien spätestens für März auf den Tisch liegen. Denn es braucht auch Anlaufzeit, ein behutsames Hochfahren.

Die Variablen müssen auf Kita und Elternschaft passen. Schon beim paritätischen Wechselmodell, also das sich getrenntlebende Eltern das Sorgerecht jeweils zu 50 Prozent teilen, wäre eine wochenweise Wiedereingliederung schwierig zu bewerkstelligen.

Viele Träger setzen deshalb schon auf digitale Helfer. Da frühstücken die Kinder zuhause mit denen in der Notbetreuung via Zoom, Erzieher gehen mit Kindern, die nicht kommen dürfen, mal vereinzelt auf einen Spaziergang in den Wald oder bringen Briefe und Grüße von den Kita-Freunden vorbei – alles im Sinne des Infektionsschutzes.

Hier kommt es vor allem auf das gemeinsame Engagement der Einrichtungen und Eltern an. Eine Strategie von oben hat es bislang nicht gegeben. Sandra Scheeres ist die fleischgewordene Nullnummer auf dem Posten der Bildungssenatorin und Jugendsenatorin. Gibt es vom Senat beschaffte Zoom-Software-Lizenzen oder zumindest einen angebahnten Kontakt zu diesem oder einem anderen Anbieter? Natürlich nicht.

Zumeist hat sich die Kita-Leitung die Lizenz privat angeschafft und rechnet dann mit dem Träger ab. Aber so geht das schon seit Beginn der Pandemie. Die einzigen Handlungsoptionen, die die Senatorin für Kita und Schule überlegt hatte, ist die Wahl zwischen auf oder zu. Struktureller Infektionsschutz, Luftfilter, Schnelltests. Alles unmöglich oder erst nach langem Sinnieren darüber, wie die bestimmten Projekte umgesetzt werden können, starten sie langsam.

Dabei gab es Vorschläge aus den Reihen der freien Kitaträger, wie die Luftfilter schnell und unkompliziert beschafft werden könnten, beispielsweise durch Leasing-Modelle. Viele Einrichtungen haben dann die Initiative ergriffen und sich kurzerhand selbst welche angeschafft. Die Senatsverwaltung verweigert weiterhin die Kostenübernahme.

Der Berliner Senat täte genau gut daran, die Strategie zur Eingewöhnung auf den Weg zu bringen. Eine gewissenhafte Landesregierung würde akribisch daran arbeiten, die Corona-Verordnungen um Sondergenehmigungen für Kitas zu erweitern. Die Kitas könnten zum Beispiel Kinder, die nicht in die Kita dürfen, auf einen Wandertag  im Freien mitnehmen.

In die Strategie ließe sich auch wunderbar eine Vereinbarung über Spielplatztreffen, auch bekannt als Playground-Dates, treffen. Immer dann, wenn die Kita-Kinder auf öffentliche Spielplätze gehen, dürfen Kinder, die derzeit zuhause betreut werden, dazu kommen. Dazu muss die Impfstrategie angepasst werden. Bislang ist per Verordnung festgelegt, wer zuerst eine Corona-Impfung erhalten soll. Besser wäre, die Impfstrategie demokratisch zu legitimieren. Im Parlament kann auch darüber entschieden werden, ob beispielsweise bestimmte Kontingente der Impfstoffe Lehrern und Erziehern prioritär zugänglich gemacht werden.

Die Eigewöhnungsstrategie muss vor dem Hintergrund gedacht werden, dass auch im Lockdown präventiv darauf hingearbeitet wird, dass die Kinder und Erzieher nicht den Draht zueinander verlieren. Je besser das gelingt, umso weniger Probleme sind beim Start in den Regelbetrieb zu erwarten.

Am besten entwickeln sich Kinder übrigens immer noch dann, wenn sie ihre Freunde jeden Tag in der Kita sehen. Denn eigentlich herrschen gerade paradiesische Zustände für die Kinder in Notbetreuung. Dieselbe Anzahl an Erzieher für maximal die Hälfte der Kinder. Die Entwicklungssprünge müssten immens sein. Doch genau das passiert nicht, die Corona-Pandemie macht nämlich auch was mit unseren Kindern, nicht nur mit denen, die die Pandemie bislang zuhause verbracht haben.

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