Mein Berlin

Wie wahrscheinlich ist denn nun der BER-Stau?

Wenn im Oktober 2020 (Stand heute) der BER eröffnet, stehen die Chancen nicht so schlecht, dass die Passagiere, die sich mit dem Auto zum Gate trauen, schon im Britzer Tunnel im Stau stehen. Deshalb wollte ich mal die Einschätzung der Bundesregierung hören – leider ohne großen Erkenntnisgewinn.

Wie fühlen sich 30 Millionen Passagiere an? Diesen Gefühlstest werden die Brandenburger Gemeinden an der südöstlichen Berliner Landesgrenze in nicht allzu ferner Zukunft machen und auch die Hauptstadt selbst wird zu spüren bekommen, wie sich die Verkehrsverlagerung anfühlt.

Auf die Frage, wie die Bundesregierung die gegenwärtige Infrastrukturanbindung an den Flughafen Berlin-Schönefeld einschätze, hieß es salopp: „Die Bundesfernstraßenanbindung an den Flughafen Berlin-Schönefeld erfüllt die Anforderungen an den Bedarf.“ Schon klar, doch im Südosten der Stadt haben sie ja bekanntlich Großes vor, wollen mit dem BER einen Großflughafen ans Netz bringen, der 50 Millionen Passagiere und mehr abfertigt, ohne dass die Region den Ausnahmezustand lebt.

Die IHK Cottbus hatte Anfang des Jahres nämlich genau davor gewarnt, dass der Verkehrsmix nicht ausreichen könnte. Das liegt vor allem daran, dass die Autobahn A 100 sowie die Autobahn A 113 nur bedingt ausbaufähig sein. An der Hauptverkehrsader Straße können Land und Bund also nicht allzu viel machen. Hinzu kommt die Einschätzung, dass der neue Flughafenbahnhof auch für Pendler interessant sei, die Regionalexpress-Linien 2 und 4 sind zu Stoßzeiten bereits jetzt randvoll.

Wer nun allerdings glaubt, dass die Gedankenspiele der entsprechenden Verkehrsplaner darum kreisen, wie der künftige Verkehr entsprechend gelenkt werden kann, der irrt. So heißt es von Seiten der Bundesregierung: „Mit der Fertigstellung der Schienenanbindung zum Flughafen BER Ende Oktober 2011 wurde eine vollwertige Anbindung für Fern- Regional- und S-Bahnverkehr geschaffen.“ Fall geschlossen. Denn überdies seien auch gar keine neuen Maßnahmen geplant.

Wer allerdings heute von Schönefeld in die Welt fliegt, dem kann es passieren, dass die Maschinen spät landen und die Reisezeit nach Spandau oder Zehlendorf nahezu so lange dauert wie die Flugzeit nach Mallorca, die einem dann ja ebenso schon in den Knochen stecken. Dabei reden wir anno 2019 von rund 12 Millionen Passagieren, 2020 sollen es über 30 Mio. sein.

Eine echte Entlastung für die Straße und das bislang maue Schienenangebot könnte die Dresdner Bahn bieten, hier plant der Betreiber – es ist die Deutsche Bahn AG – die Inbetriebnahme zum Fahrplanwechsel 2025. Da soll der BER allerdings schon fünf Jahre laufen, im besten Fall störungsfrei.

Selbst Dübel haben schon für Probleme am BER gesorgt

Auch hinsichtlich alternativer Antriebsformen begnügt man sich am BER mit Mindestanforderungen. 20 Ladestellen für E-Autos soll es geben, rund 37 Millionen Passagiere sollen am BER 2020 abfliegen oder ankommen. Auch dass die ungenutzten Freiflächen über Jahre nicht dafür genutzt wurden, um sie Unternehmen oder Entwicklern für die Erprobung neuer Mobilitätskonzepte zugänglich zu machen, zeugt von wenig Gestaltungswillen in der Bundesregierung.

Unter diesen Voraussetzungen ist es demnach sehr wahrscheinlich, dass der BER einer der großen Stau-Macher in der Region wird. Es gab die Chance, bei der Infrastruktur nachzubessern, zumal die Eröffnung ja auch jahrelang nach hinten verschoben wurde.

Von der BER-Baustelle selbst gibt es ebenfalls neue Hiobsbotschaften. Das Terminal 2 wird, sollte der Flughafen 2020 denn nun wirklich nicht an den Start gehen, wohl nicht rechtzeitig fertig. Wie hätte es auch anders sein sollen?

Eine Erfolgsmeldung gibt es allerdings noch. An Parkplatz, etwa weil ein neuer und bislang unverkaufter Golf drauf steht, soll es nicht mangeln: „Die FBB teilt … mit, dass der Vertrag mit dem Volkswagen-Konzern beendet ist.“

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